Schornsteinsysteme von VOGEL&NOOT
25 Nov

Eine Kennzeichnung von Abgasanlagen ist nicht neu, schon seit Jahren ist diese gefordert. Baurechtlich und normativ ist die Kennzeichnung sowie deren Inhalt festgelegt. Der Errichter der Abgasanlage ist für die korrekte Anlagenkennzeichnung verantwortlich.

 

In der Anlagenkennzeichnung gibt der Errichter der Abgasanlage die Leistungskenngrößen, bzw. die Eigenschaften des Systems nach der Montage an. Die Kennzeichnung erfolgt nach dem Muster der DIN V18160 Teil 1 unter Berücksichtigung der baulichen Gegebenheiten. Dies unter Beachtung des Beiblattes 1.

 

Die wichtigste Grundlage für die Anlagenkennzeichnung ist die Produktkennzeichnung des Herstellers, die jedem Abgassystem beigefügt ist. Detailliertere Angaben sowie die Produktkennzeichnung können auch der Leistungserklärung (DoP) entnommen werden. Darin gibt der Hersteller die Leistungskenngrößen bzw. Eigenschaften des Abgassystems an, die das System nach den Normen DIN EN 1856-1 oder Teil 2 maximal erfüllt.

 

In der Produktkennzeichnung wird zwischen einer Systemabgasanlage und Montageabgasanlage unterschieden. Eine Systemabgasanlage ist als Abgasanlage so, wie sie geliefert, wird verwendbar. Eine Montageabgasanlage wird erst nach der Montage zu einer kompletten Abgasanlage, zum Beispiel wenn ein Abgassystem in einen vorhandenen Schornstein/Schacht montiert wird. Dann wird aus dem Schacht und dem montierten Innenrohr erst eine Abgasanlage. Der Schacht und das Innenrohr müssen bei der Abgasanlagenkennzeichnung zusammen berücksichtigt werden.

 

Verbindungsstücke, also der Abgasleitungsteil zwischen Wärmeerzeuger und Schornstein, werden gesondert betrachtet, müssen aber auch nach gleichem Muster gekennzeichnet werden.

 

Beispiele und Unterschiede der Kennzeichnung

Produktkennzeichnung nach DIN EN 1856

Produktkennzeichnung nach DIN EN 1856

 

 

Anlagenkennzeichnung nach DIN V 18160-1

Anlagenkennzeichnung nach DIN V 18160-1

 

 

Bedeutung und Unterschiede der Abkürzungen:


T600:
 Temperaturklasse: Maximale Abgastemperatur die planmäßig auftreten kann. Definierte Klassen sind 80, 100, 120, 140, 160, 200, 250, 300, 400, 450 und 600(°C)


N1: 
Druckklasse, „N“ steht für Unterdruck, „P“ für Überdruck bis 200 Pa und „H“ für Überdruck bis 5000 Pa. Die Zahl dahinter beschreibt den Prüfdruck und die maximale Leckrate. Wird in der Kennzeichnung Überdruck angegeben, dann schließt dieses die Verwendung für Unterdruck mit ein.


D: 
Kondensatbeständigkeitsklasse. D =Trockener Betrieb; W = feuchteunempfindliche Betriebsweise


V3 bzw. 3 Korrosionsbeständigkeit:
Der Buchstabe „V“ wird nur in der Produktbezeichnung verwendet. Er steht für „Verifikationsklasse und belegt, dass das Abgassystem eine bestimmte Prüfspezifikation erfüllt, d.h. diese Prüfungen bestanden hat. Die Zahl dahinter gibt die Nummer der Prüfspezifikation an. Die Ziffer 1 steht für die Eignung des Systems für die Abgasabführung von Gasfeuerstätten, 2 für die Eignung des Systems für die Abgasabführung von Öl- und Gasfeuerstätten und 3 für die Eignung des Systems für die trockene Abgasabführung von Festbrennstofffeuerstätten.

In der Anlagenkennzeichnung werden nur die Ziffern 1, 2 oder 3 verwendet. Sie gibt die „Korrosionswiderstandsklasse“ an. Möglich ist eine der Korrosionswider-standsklassen 1, 2 oder 3, die in Abhängigkeit vom verwendeten Brennstoff (nach Tabelle 4 der 1 der DIN V 18160-1) und der „Verifikationsklasse“ (nach Tabelle 1 der DIN V 18160-1 Beiblatt 1) zu bestimmen ist.

ACHTUNG: Bei Kennzeichnungen mit der Verifikationsklasse „Vm“ handelt es sich um nicht korrosionsgeprüfte Bauteile. Dadurch ist der Einsatz in Abhängigkeit vom verwendeten Werkstoff nur auch bestimmte Mindestwandstärken beschränkt (Tabellen 2-5 der DIN V 18160-1 Beiblatt 1, Berichtigung 1).


L50050:
Werkstoff und Mindestwandstärke in mm, hier L50 für 1.4404/1.4571 mit mindestens 0,5 mm Wandstärke Diese Angaben werden nur bei der Produktkennzeichnung berücksichtigt.


Gxx: 
Rußbrandbeständigkeitsklasse, G = rußbrandbeständig, O nicht rußbrandbeständig. Gefolgt vom Mindestabstand in cm. Der Mindestabstand gilt immer für einen hinterlüfteten Abstand. Mit G gekennzeichnetes Produkte oder Anlagen beinhalten natürlich auch die Eigenschaft O“, also „nicht rußbrandbeständig“.


L90: 
Die Feuerwiderstanddauer muss nur bei der Anlagenkennzeichnung berücksichtigt werden. Bei Abgasanlagen sind L30 oder L90 übliche Werte.


Besteht eine Abgasanlage aus Abschnitten mit verschiedenen Produkten, z.B. aus einem einwandigen Verbindungsstück und einer doppelwandigen senkrechten Abgasanlage, ist jeder Teil mit einer entsprechenden Anlagen-Kennzeichnung zu versehen.

 

Der Nutzen der Abgasanlagenkennzeichnung besteht darin, dass nicht nur die vom Hersteller angegebenen Leistungskenngrößen, bzw. Produkteigenschaften berücksichtigt werden, sondern auch die baulichen Gegebenheiten. So kann es z.B. vorkommen, dass eine Abgasanlage im eingebauten Zustand aufgrund einen zu geringen Abstandes zu brennbaren Baustoffen nur noch mit einer maximalen Abgastemperatur von 200°C, statt möglicher 600°C, betrieben werden kann.

Oft kann zu einem späteren Zeitpunkt, nicht immer jede Einbauvarianten eingesehen werden, wie zum Beispiel der Abstand zu brennbaren Baustoffen. Verkleidungen können den Blick verwehren und wer weiß nach über 10 Jahren noch, was, wie montiert wurde. Bei Besitzerwechsel stellt sich oft das gleiche Problem, da Unterlagen evtl. nicht mehr vorhanden sind. Ist eine korrekte Kennzeichnung vorhanden, kann zu einem späteren Zeitpunkt nachvollzogen werden, welche Eigenschaft, bzw. wie die Abgasanlage betrieben werden darf. Mit der Kenntnis der Eigenschaften kann die Abgasanlage weiterhin sicher betrieben werden.

Leider ist aus dieser im Grundsatz guten Idee, ein relativ umfangreiches Normen- und Regelwerk entstanden. Die Anforderungen und vielfältigen Möglichkeiten lassen derzeit kaum ein einfacheres Prozedere zu. Somit muss sich der Ersteller der Abgasanlage mit der Thematik beschäftigen. Eine gute Übersicht zum Thema finden Sie auch im BDH Merkblatt Nr. 41. Detaillierte Informationen zur Kennzeichnung wurden in einem Fachbeitrag von Theo Gaux in verschiedenen Fachzeitschriften veröffentlicht. Zu beiden Zusammenfassungen gelangen Sie mit den folgenden Links.

> BDH Merkblatt Nr. 41
> Fachbeitrag: Kennzeichnung von Abgasanlagen von Theo Gaux

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